Verfasst von: science2go | Oktober 24, 2008

ein statement

Aus aktuellem Anlass…

Niemand darf gemeinsames Gut zerstören – es gibt kaum eine Verhaltensnorm, die treffender auf das bewusstseinserweiternde Gut „Bildung“ anwendbar ist. Es ist eine traurige Bilanz einer selbsternannten Wissensgesellschaft des 21. Jhdts, wenn sie in ihrem Bestreben um eine möglichst reibungslose Koordinierung des Umgangs mit Themen wie „Bildung“ standardisierte Motive unterstellt, die sich durch eine optimale politische Handhabbarkeit auszeichnen, was möglichst dafür sorgen soll, dass wünschenswerte Sinnzusammenhänge in den Köpfen der Bürger aktualisiert werden. In einem dieser politisch beliebten Denkschemata gilt ökonomische Effizienz als überaus positive und daher erstrebenswerte Eigenschaft eines Gutes, gleichzeitig gepaart mit dem  Bedeutungszusammenhang, dass dieser Effizienz entgegenwirkende Bestrebungen als verquer und/oder sinnlos, wenn nicht sogar als schädlich abzuqualifizieren sind. Im nächsten Schritt muss nur noch die Selbstfindung durch Bildung als ebensolche Bestrebung gebranntmarkt werden, denn schließlich wird dabei doch ein Eigeninteresse auf Kosten anderer verfolgt, oder?

In diesem Plädoyer für ein besinnendes In-Sich-Hineinhören des Lesers geht es nicht um eine Kampfansage an den schlicht unmoralischen Denkansatz, „alles“ in Geld aufzuwiegen, genauer – über allem Tun und Sein das Credo der ökonomischen Effizienz zu spannen. Vielmehr wird hier die Hoffnung dargelegt, dass die Aburteilung des studentischen Widerstands gegen die Standardisierung und Normierung von dem, was Bildung sein soll – und wenn auch nur für einen Augenblick – als mögliche Fehldeutung angedacht wird; die Fehldeutung eines Motivs, das klarer nicht sein könnte – die Befreiung von Unfreiheiten! Darin ist die Quelle zu sehen, die kollektive Antriebsfeder, die engagementträchtige Basis der studentischen Forderungen: Antidiskriminierung (frei sein von Ungleichheit), Demokratisierung der Universitäten (frei sein von Ungleichberechtigung), keine Ökonomisierung von Bildung (frei sein von ökonomischen Zwängen), selbstbestimmtes Studieren (frei sein von Fremdbestimmung), geschichtliche Aufarbeitung (frei sein von Verdrängung) (Quelle: http://unsereuni.at/?p=383, Stand: 22.11.09).

Freie Bildung für alle, Stop der Ökonomisierung der Bildung – dies alles sind Forderungen, die in geradezu vorbildlicher Weise dem Dogma der ökonomischen Effizienz entgegen treten, da hier das Gut „Bildung“ eben nicht in das Korsett der ökonomischen Wertigkeit gezwängt wird, sondern das Medium „Geld“ in diesem Fall den Wert transportiert, den das Nutzen- und Ertragsdenken in dieser unserer Wissensgesellschaft letztlich tatsächlich einnimmt. Wollen wir eine Wissensgesellschaft? Dann dürfen wir es nicht allein auf die Schultern der Studenten ablegen, eine schlagkräftige Lobby für Bildung aufzustellen!

inspired by Weissengruber & friends


Responses

  1. Toll! Mehr kann ich dazu nicht sagen! Hast auch alles drinnen, was mir so wichtig ist 😉 Und dass du ein Weltmeister im perfekten Ausdruck bist, wird wiedermal bestätigt!
    Dickes Bussi! Und ich fühle mich wirklich geehrt durch die namentliche Erwähnung!


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